Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 48 von 139

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Mein Lied

Des Landmanns Saat.

»Das wird nimmermehr geschehen,

Ich bin dein und will's verbleiben!«

So das Weib, die Brust entblößend.

»Zieh den Dolch und rette, Liebster,

Freudig mich vor den Barbaren.«

Nächtige Brände fester Burgen

Glühn am schwerbewölkten Himmel.

Schnaubend nahn die wüsten Horden,

Sehn zwei purpurrote Brünnlein

Springen auf der dürren Heide.

 

Des Landmanns Saat.

Der Landmann säet das Weizenkorn.

»O Maid, ich bin dir gut!«

Er mäht das reife Weizenkorn

Und küßt sie bis aufs Blut.

Der Stein zermalmt das Weizenkorn,

Die Maid liegt auf der Bahr'.

Als Hostie thront das Weizenkorn

Auf heiligem Altar.

Wie stiegst du hoch, mein Weizenkorn!

Und wer und wo blieb ich!

O Brot, der ewigen Liebe Born,

Erbarme dich!

 

O sei mir gegrüßet, du grünender Baum!

O sei mir gegrüßet, du grünender Baum,

Wo ich mein Liebchen sah,

Die Myrt' in den Locken, auf blumigem Saum,

So nah! So nah! So nah!

Wie küßte ich heiß ihren rosigen Mund!

Am Baum ein Vöglein sang.