Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 117 von 139

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Mein Lied

Heimgartens silberne Hochzeit.

Die Wahrheit, die im Worte er

Gefeiert und gespiegelt,

Im Leben durch Wahrhaftigkeit

Hat er sie, traun, besiegelt.

Sein Leben war ein harter Kampf,

Sein plötzliches Erliegen

Erst hat die Welt ihm aufgeschreckt;

Sein Fallen war sein Siegen.

Sein Erdentag war wolkentrüb,

Das lichte Ziel zu ferne,

Nun leuchten, seit die Sonne sank,

Die Werke hell wie Sterne,

Sie leuchten über die weite Welt,

Doch jetzt will ich erinnern:

Sein Wiegenhaus, sein Schaffensheim,

Sein Grab gehört den Wienern.

An solchen Stätten blicket auf

Sein Volk in Stolz und Schauern;

Ein Jauchzen hat es, daß er kam,

Und daß er ging, ein Trauern. —

O späte Liebe, die wir anders

Nimmer stillen können,

Als daß wir dankend, sühnend

Seine Lebensstätten krönen.

Wir graben ein in Marmelstein

Den Namen, den wir lieben.

Er selbst hat sich mit Loderbrand

Dem Volk ins Herz geschrieben.

 

Heimgartens silberne Hochzeit.

1900.

Seit sich der Gärtner müht

Und dieser Garten blüht,

Nie Gold und Silber das Leitmotiv war.

Doch als die Zeit verstrich, Sachte das Haupthaar blich,

Nahet dem Werke das silberne Jahr.

Silberne Hochzeit hält

Mit seiner Lesewelt

Heimgarten jetzt, zum Jahrhundertbeginn.

Altern nicht wehe tut;

War nur die Ehe gut,

Wird selbst dem Silberhaar goldner Gewinn.

Seit einst im Steirerland

Schlicht dieses Blatt entstand,

Liegen, wie immer, die Geister in Streit.

Und dieser Garten hier

War teils ein Kampfrevier,

Teils ein Idyll auch in stürmischer Zeit.

Oft fiel das Samenkorn

Freilich auf Sand und Dorn,

Oft hat gesäter Wind Sturm auch gebracht.

Ist es auf Bergeshöhn

Nicht der befreite Föhn,

Der aus dem Eise den Frühling entfacht?

Doch nicht der Lenz allein

Soll ewig Herrscher sein;

Fruchtbarer Herbst, wie erwart' ich dich gern!

Was wir im Lenz gesät,

Ahnend schon aufersteht:

Freude den Menschen und Ehre dem Herrn!

Dann — wird im Abendfried'

Einst auch der Gärtner müd,

Reichend den Spaten dem andern zur Hand,

Wird das Vermächtnis sein:

Treuet den Garten mein,

Heimgarten ewig dem steirischen Land!