Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 43 von 139

PDF-Seiten

Mein Lied

Weib.

Das Maidlein tat dem Knaben traun,

In alten, grauen Tagen.

Der Knab' tat nit lang bitten,

Nahm 's Mädl um die Mitten

Und hub mit ihr ein Tänzlein an,

Der Atem tat ihr stille stahn

In alten grauen Tagen.

Und als er satt am Tanzen,

Da nahm er seinen Ranzen,

Und ließ die Maid zu zwein — allein. —

Das Märchen soll geschehen sein

In alten grauen Tagen.

 

Weib.

Schicksal im langen Haar,

Herrin, mir graut vor dir!

Reiß von der Heimat mich,

Raube die Freunde mir.

Brich meinen Tatenmut.

Höhne, verrate mich,

Schände die Ehre mir,

Hass' und verkaufe mich.

Foltere die Seele mir,

Hetz in die häßlichsten

Laster des Lebens mich,

Stürz in die ewigen

Peinen der Hölle mich:

Anbeten! Anbeten!

Anbeten muß ich dich,

Wonniger, göttlicher

Dämon — ich liebe dich!