Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 66 von 139

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Mein Lied

Stimmungen.

»Und hab' ich dir gleich weh getan,

So denk, wie muß nach Qual und Wahn

Die kühle Erde taugen!«

 

Stimmungen.

1.

Freier Hand seit Tausenden von Jahren

Hat Natur an diesem Knochenkarren

M e n s c h e n l e i b voll Fleiß und Kraft gebaut. Mit der Schöpfung Künsten wohl vertraut

Standen alle Stoffe ihr zur Wahl

Und ein Riesenarsenal.

Nimmermüde schuf sie durch Äonen,

Probte alle Formen, alle Zonen,

Brach entzwei, was etwa doch mißlungen,

Bis das Werk vollbracht, der Sieg errungen.

Und in dieser herrlichen Gestalt

Nahm die M e n s c h e n s e e l e Aufenthalt. Jauchzend brachte sie das Werk in Gang,

Und das heiße Herz in Wonne sprang!

— — Ach, wie balde hörte man im feinen

Blutdurchwogten Tempel — l e i s e w e i n e n ....

2.

Der teure Kranke

Ruht auf weichen Kissen,

Und seine Lieben

Hegen und pflegen

Die müden Glieder

In nimmer rastender,

Zarter Sorgfalt,

Und scheuchen bangend

Trübe Schatten

Emsig davon,

Und haben milde,

Schmeichelnde Worte

Und frohen Trost

Für sich und ihn.

Und plötzlich rollt

Zwischen Kirchhofskreuzen

Von kundigen Armen

Stummer Männer

Rasch gesenkt

Der Sarg zur Tiefe.

Und hüllenlos

In furchtbarer Wahrheit,

Die Herzen erdrückend,

Wie Steine den Toten,

Steht die kalte, unerbittliche,

Dämonische Herrlichkeit

Natur.

3.

Das Leben ist ein böser Traum,

Doch willst du baß erschrecken,

Wenn jener mit der Hippe kommt,

Dich plötzlich aufzuwecken.

Und wenn der mit der Hippe kommt,

Und mäht die Nesseln nieder,

Gleich bittest ihn um so viel Frist,

Um sie zu säen wieder.

Und wenn der mit der Sanduhr kommt,

Dich mahnend, nicht zu säumen,

So flehst: 's ist zwar ein böser Traum,

Doch laß mich weiter träumen.

4.

Wie wird unser Himmel sich gestalten?