Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 39 von 139

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Mein Lied

Ein Rosenblatt.

Was das Rosenblatt bedeutet,

Das in sich zusammenkauernd

Vor dem Hauch des Mundes schauernd

Auf der Hand mir liegt gebreitet?

Kann ich nicht dem toten, süßen

Rosenblatt mit Sehnsuchtsbeben

Noch einmal ein junges Leben

Minnend in die Adern gießen?

Oh, vor meinem heißen Kusse

Wird es nimmer frischen können,

Wird es, ach, nur still verbrennen,

Asche, Asche sein zum Schlusse.

Rosenblatt, warum alleine

Kommst du mir von i h r geflogen, Ach, daß du nicht mitgezogen

Sie, die Holde, die ich meine!

Jene Süße, von den Musen

Ahnend mir so lang verheißen.

Nächtig, wenn die Sterne gleißen,

Möcht' ich ruhn an ihrem Busen.

Möcht' ins scheue Aug' ihr sehen,

Ihr ins tiefe Herz mich graben,

Möcht' in heißer Glut mich laben

Und in Liebeslust vergehen.

 

Soll ich warten, bis die Tage

Wachsen und die Nächte schwinden,

Die so lockend, Lieb' zu finden?