Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 52 von 139

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Mein Lied

Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein ...

Doch höher stünd' mein Stolz:

Ein großer Mensch zu sein.

Die Ehre, flach geweht

Hin über Länder weit,

Ist nichts gleich eines Menschen

Tiefer Dankbarkeit.

Wer nur um Ehre schafft,

Der ist zwar wert der Ehr',

Der äußeren bunten Zier,

— Doch sonst auch nicht viel mehr.

Wenn einst ich sterben muß,

Soll keine Trauerschar

Von Gleisnern folgen mir

Zu meiner stillen Bahr'.

Nicht Nekrolog, nicht Stein,

O Gott, man kennt die Weis';

Sie ehren Tote bloß

Zu ihrem eigenen Preis. —

Nur e i n e s wollt' ich, daß

Ein Braver sagen kann

An meinem schlichten Grab:

Er war ein braver Mann.

 

Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein ...

Ein Vater lag im Sterben,

Drei Söhne sollten erben.

Der eine war ein Bauersmann,

Der pflügen, säen und ernten kann,

Der erbte die Höfe, die Felder,

Die Gärten, die Wiesen, die Wälder.

Der andre war ein Hammerschmied, Dem gab der Vater, als er schied,