Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 94 von 139

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Mein Lied

Himmel

Die Gottsucher.

Unendlich der Raum,

Unendlich die Zeit,

Kein Ziel und Halt

In Ewigkeit.

Die Kinder des Leides, sie sehnen und rufen,

Sie irren und zweifeln in Nacht und Not

Und suchen nach Gott.

Sie suchen im Buchstaben,

Sie suchen im Bild,

Sie beten und bluten,

Sie streiten wild,

Entzünden die Scheiter zur lodernden Fackel,

Sie suchen im Kelch und suchen im Brot:

»Wo bist du, Gott?«

Sie suchen im Leben,

Sie suchen in Kunst,

Sie suchen in Grübeln

Und Liebesbrunst,

Sie suchen im düsteren Schatten der Tempel,

Sie rufen in der Freiheit Morgenrot:

»Wo bist du, Gott?«

Die Armen, sie wandern

Am Pilgerstab,

Die Weisen, sie suchen

Die Himmel ab,

Sie suchen im schuldlosen Kindesherzen,

Und fragen mit Grauen den starren Tod:

»Wo bist du, Gott?«

Und sieh, im Suchen

Und heißen Streit

Steht immer der Herr

An ihrer Seit', Und klopft ihnen lächelnd wohl auf die Achsel: