Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 35 von 139

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Mein Lied

Der Verlassenen Fluch.

 

Vor des Ewigen Angesichte

Klag' ich ihn, o Himmel, richte!

Ach, wie hab' ich ihn geliebt,

Während er den Tod mir gibt!

Möge ihm in dunkeln Tagen

Auch die grause Stunde schlagen!

Möge er in Qual sich winden,

Und kein Herz, kein treues, finden!

Mög' der Mensch zum Teufel werden,

Dem er hoffend sich auf Erden

Voll Vertraun zu eigen gibt!

— Ach, wie hab' ich ihn geliebt!

Ein Verworfner mög' er lungern

Auf der Heide und verhungern.

Welche Lust mir, wenn er schmachtet,

Glückverlassen, notumnachtet!

Und ich dürfte ihm begegnen,

Wie wollt' ich die Stunde segnen!

Ihn an meinem Herzen haben,

Ihn mit meinem Blute laben!

— Wärst du m e i n e r Qual versunken, Hättest m e i n Leid du getrunken,

Wüßtest du, was Hölle ist.

— Wollte dich so lange küssen,

Bis du wieder selig bist.

 

Amor, dieser Wicht.

Ich mach' in meinem Leben kein Gedicht mehr an ein Mädchen, Das ich nicht darf lieben.

Es ist zu gefährlich, um das Licht zu schwärmen, Das bestimmt ist, andere zu wärmen.

Wer hatt' mich auch dazu getrieben? —

Wo Auserwählter war mein liebster Freund,

Und sie des liebsten Freundes Auserwählte.

Und ich? Ich war nebstbei so da, und wie es scheint Ein wenig lecker auch. Und sieh, da stellte

Der Knirps von einem Amor mir die Falle.

Dem Freund zulieb und seiner Maid zu Ehre

Gedacht ich ein Gedichtchen ihr zu weihn.

Aus Eigennutz war's nicht, denn ich begehre,

So dachte ich, dafür das bißchen Heiligenschein Des Ruhmes nur. War noch erklecklich eitel

Und meint', mit einem Vers müßt' ich beglücken Ein Mädel von der Zehe bis zum Scheitel,

Und mindestens dem Erdball es entrücken.

Gedacht, getan, ich schrieb ihr ein Gedicht

In leichten Jamben. Für eines andern Liebe

Sind Jamben gut genug. Schweres tauget nicht.

Was anders, wenn ich eine Ode schriebe

Im tiefen Seufzertakte eines Romeo!

Dann allerdings schwerschreitende Trochäen.

Doch, was wollt' ich nur sagen? — Ei ja so!

Ich schrieb der Liebsten meines Freunds,

Um mich verbindlich bei ihr einzustellen.

Sie war zu herzig, traun, sie war's wohl wert,

Der holden Muse warm sie zu empfehlen.

Begann zu dichten, wie's ein Herz begehrt,

Beschrieb die zarten Reize, sagte ihr auf Ehre,

Wie ich an ihrem Glücke Anteil nähme,

Und daß als Freund ich gar imstande wäre,

Dergleichen selber — wenn die Stunde käme — Zu gönnen mir. Doch müßte auch mein Püppchen So lieblich sein wie sie. Es stünde immer

Mein Sinn nach solchen Wänglein, solchen Grübchen Und solchen Äuglein auch, wie man sonst nimmer Sie gesehn auf dieser Welt, als — im Vertrauen

Nur sei's gesagt — an ihr, der Treuen

Meines lieben, einzigen Freundes, sind zu schauen. Unmöglich, sang ich, wäre zu bereuen Eine Wahl, wie diese. Ließ es ihr auch merken,