Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 93 von 139

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Mein Lied

Anklage.

Sie stürzen sich wieder hinab in den Kot.

Das ist der Geschichte ewiger Lauf,

Wir können's nicht wenden,

Nicht ändern und enden,

Unsre Bestimmung ist ewiges Ringen

Gen Himmel hinauf.

 

Anklage.

Wenn die wilden Wetter schlagen

Und die giftigen Seuchen toben,

Welch ein grauses Heulen, Klagen,

An den hohen Himmel oben!

Großer Gott, für solche Armen

Hätt' ich wahrlich kein Erbarmen.

Hemmest du die bösen Wetter

Und die giftgeschwellten Seuchen,

Machen sie mit Kriegsgeschmetter

Aus sich selber tausend Leichen.

 

Fürsprache.

Doch, was auf Erden keimt,

O laß es reifen,

Und was im Menschen ruht,

Das laß erstehn.

O Gott, laß dieses irrende,

Nach deinen Höhen ringende,

Dies arme, herrliche Geschlecht

Nicht untergehn!

 

Dem Dichter.

Mein Sänger, laß' den Widerpart

Und sing' ein lustig Liedel,

Und lade sie zur Himmelfahrt

Mit einer hellen Fiedel.

Es ruft den einen zwar der Herr

Mit dumpfem Donnerkrachen,

Den andern lockt er noch vielmehr

Mit heiterem Sonnenlachen.

Der eine folgt den Elegie'n,

Der andre frohen Stanzen;

Man kann wohl in den Himmel knien

Man kann auch hinein tanzen.