Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 30 von 139

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Mein Lied

Der Stern im See.

So fragt er leis': Warum?

Und will mich nicht verstehen!

Er mag mich nicht verstehen.

Und wenn ich die Arme

Ihm reich', Gott erbarme!

Er ist viel zu blöd'! —

— Ei! wäre ich Mädchen

Des Nachbars jung' Gretchen,

Er tät nicht so spröd';

Er fragte nicht: Warum?

Er würde mich verstehen!

 

Der Stern im See.

Ein schöner Stern

Ganz lockend licht

Erglänzt im See so wunderlich.

— Ein Mädchen lacht

So süß und spricht:

Ich liebe dich!

Gib acht, gib acht,

Der See ist kalt,

Er s p i e g e l t nur

Das Himmelslicht —

Ein falscher Stern,

Ein falsches Herz;

Vertrau ihm nicht!

Vertrau ihm nicht,

Wenn es zu bunt

In fremder Pracht will blühen voll.

Ein echtes Herz

Darf funkeln nicht,

Muß tief und still erglühen wohl.