Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 64 von 139

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Mein Lied

Der Büßer.

Als sich so das Los gewendet,

Klopft es leise an der Tür,

Kommt der Nachbar Jock und spendet

Tröstend eine Rose mir.

Eine jener süßen, großen

Rosen, die dem Fluch entsprossen.

— Ach, wie mir der Rose Gluten

Meine arme Seele sengten!

Und wie mir die milden, guten

Worte weh das Herz bedrängten! —

Was dir, Mensch, auch mag begegnen,

Nimmer sollst du Rache suchen.

Bist ein Stümper doch im Segnen

Und ein größerer noch im Fluchen.

 

Der Büßer.

Rosen hasch' ich, Dornen faß ich, knieend dieser Welt zu Füßen, Alle Sünden, die ich tue, muß ich auf der Stelle büßen.

Lüg' ich heute, daß nur kleine, enge Stiefelchen mir taugen, Kommt schon morgen so ein Wichtling, tritt mir auf die Hühneraugen.

Will ich heute träge träumend unter kühlem Flieder sitzen, Muß ich morgen voll von Sorgen unter Doppellasten schwitzen.

Schlürf' ich heute seliges Leben andachtsvoll aus goldnem Becher, Teil' ich morgen, ach, den Jammer wilder ausgelass'ner Zecher.

Tu' ich heute einer Schönen froh mein hüpfend Herzlein leihen, Kommt sie morgen schon, mich mahnend an die Pflichten, sie zu freien.

Klingen heute Hochzeitsglocken, schallt schon morgen Grabgebimmel, Doch ich hoffe, meine Seele kommt vom Mund auf in den Himmel.

 

Erbschaft.