Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 63 von 139

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Mein Lied

Mißratener Fluch.

Vor zwei Jahren, zu Sankt Marten,

Habe ich in Nachbars Garten

Einen schweren Fluch gesäet.

Rachedürstend wollt' ich warten,

Bis er in die Halme geht

Und im sonnenfrohen Lenze

Den verhaßten Hof umkränze

Strüppedicht mit Dornenranken.

Sieh, und als am Maienbronnen

Alle Lebewesen tranken,

Haben Blüten sich gesponnen

Um das Haus des Nachbars Jocken,

Der mir tat die Braut entlocken.

Linde weiße, rote Blüten,

An der Stirn des Hauses glühten;

Rankten hold sich um die Dächer,

Stiegen leis in die Gemächer,

Alles zart in Blumen hüllend

Und mit süßem Hauch erfüllend —

Graunerregend wonnesam! —

Als die Zeit der Reife kam,

Welch ein seltsam Früchteprangen!

An den grünberankten Zweigen,

Die sich um die Fenster neigen,

Schwere goldne Äpfel hangen ...

Doch, was seh' ich auf der Erden

Schlangenähnlich sich gebärden!

Unheildeutend grause Zeichen!

Wüste Dorngestrüppe schleichen

Meinem, m e i n e m Hause zu! —

Sachte wird es eingewoben

Von dem Erdgeschoß bis oben,

Wo der Fahne stolzer Prang

Glück verkündet jahrelang.

Wüst umstrickt das Haus zum Hohne

Mit der kahlen Dornenkrone. —