Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 54 von 139

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Mein Lied

Die Harfe.

Und — eh das Jahr von hinnen zieht

Ist schon verstummt des Sängers Lied.

Was man verstand und nicht empfand,

Das klingt nur einmal durch das Land.

— Ewig rauschen die Wasser.

 

Die Harfe.

Unser Herz ist eine Harfe,

Eine Harfe mit zwei Saiten.

In der einen jauchzt die Freude,

Und der Schmerz weint in der zweiten.

Und des Schicksals Finger spielen

Kundig drauf die ewigen Klänge,

Heute frohe Hochzeitslieder,

Morgen dumpfe Grabgesänge.

 

Die Hand an meiner Rechten.

*

Die Hand an meiner rechten Seiten

Ist lobenswert zu jeder Stunde,

Sie holt das Brot aus allen Weiten

Und führt es zärtlich mir zum Munde.

Und ballt die Linke, Unerzogne,

Sich hinterm Rock, wenn Gäste nahen,

So weiß die Rechte, Wohlgepflogne,

Mit edlem Anstand zu empfahen.

Und nahen schlechtgesinnte Mächte,

So greift sie rührig zu den Waffen,

Und weiß mit ritterlichem Rechte

Mir Schutz und Frieden zu verschaffen.