Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 17 von 139

PDF-Seiten

Mein Lied

Gruß aus Italien an die Heimat.

Du treues Haus auf stiller Bergeshöh',

Von weichem Mondessilber mild umgossen,

Wie grüß' ich dich aus fernem welschem Land,

Wo nirgends deine Tannenwälder sprossen.

Wo nie ein Wort der heiligen Sprache klingt,

Die du zum deutschen Erbe mir gegeben,

Und wo man leicht im tollen Fastnachtstanz

Verschachert und verjohlt sein heißes Leben.

Ein Land, so schön und reich und hochberühmt, Bewohnt von frohem Volk in Bettlerlappen,

Das auf den Trümmern seiner großen Zeit

Sich kindisch freut an bunten Narrenkappen.

Ein Land, ein Märchengarten auf dem Meer,

Ein Eden, das sonst nichts mit dir gemein,

Du Heimatsmatte auf der Bergeshöh',

Als Gotteshimmel mit dem Sonnenschein.

 

Vergib mir, o Süden!

Vergib mir, o Süden!

Ich kann dich nicht lieben,

Ich muß dich meiden,

Meine Wünsche, meine Freuden

Stehn auf dunklem Grund geschrieben.

Meine blassen Taten

Leuchten nur in nordischem Schatten.

In Sturmessausen

Und Wälderbrausen,

In Schnee und Eiseskern,

In düsteren Nebeln

Glänzt mein Stern.

Du, o Süden,

Mit deines Lichtes Grelle, Versengst mir die Seele.