Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 97 von 139

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Mein Lied

Die Sehnsucht.

Ach, mir graut vor dem Gemeinen,

Das mich stets durch neue Peinen

Und durch alte Sünden schleift.

Heimweh, Heimweh nach dem Reinen,

Nach den kühlen Friedenshainen,

Wo die Seele göttlich reift.

Ach, wo soll sie göttlich reifen!

Nur im Schwalle wüster Träufen

Lernst du das Gemeine fliehn.

Nur mit Kämpfen kannst du siegen,

Und im Fallen lernst du fliegen

Zu den seligen Göttern hin.

 

Die Sehnsucht.

Die Berge je höher,

Dem Himmel je näher,

Dem Herzen je weher,

Weil's nicht kann hinein;

Weil es an die schwere,

Die träge Matere

Wie an die Galeere

Geschmiedet muß sein.

Was löst unter Peinen

Uns los vom Gemeinen?

Die Sehnsucht nach Reinen,

Die Sehnsucht allein.

 

Steigende Bahn.

Um aus der Wirrnis die Völker zu retten

Hellet oft plötzlich der Blitz des Propheten

Künftigen Helden die steigende Bahn.

Was noch die Väter säumig beraten, Steigt in der Söhne mutigen Taten