Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 138 von 139

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Mein Lied

Flüchtiges.

Eine kurze Zeit wohl möcht' ich leben

Auf der Erde und dann selig sein.

Ohne Leid zu kennen, dürfte eben

Wahre Lust mir nicht recht stellig sein.

Auch der Himmel braucht vom Gegensatze,

Will er uns so ganz gefällig sein.

 

Das Heute war gestern: morgen,

Und morgen ist es schon: gestern.

Es lohnt sich nicht, um zu sorgen,

Nicht, um zu loben, zu lästern.

Die Freude an gestern, die Sorge um morgen,

Sind zwei müßige Schwestern.

 

Sylvester.

Wie? Zur mitternächtigen Stunde

Hör' ich laute Kreise tagen?

Sylvestergläser klingen,

Sylvesteruhren schlagen.

Essen, trinken, spielen, scherzen!

Ohne Sorge, ohne Reue

Taumeln sie von Jahr zu Jahre,

Und vom alten in das neue.

Ob auch ich dabei bin? — Nein.

Lasset mich mit mir allein.

Einsam in der Scheidestunde

Will ich Glücks und Leids gedenken,

Muß ich doch ein Stück von meinem

Leben in die Grube senken, Muß ich doch mein wundes Herze