Mein Lied

Peter Rosegger · Kapitel 104 von 139

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Mein Lied

Auch der andre, der bist du.

Im Hasten des Tags

Wird das Herze bald matt,

Des inneren Glücks

Wirst du nimmermehr satt.

Das Nichtige freut sie

Am flüchtigen Schein,

Das Echte an dir

Verlangt ewiges Sein.

 

Auch der andre, der bist du.

Was die Erde mir geliehen,

Fordert sie schon jetzt zurück.

Naht sich, mir vom Leib zu ziehen

Sanft entwindend Stück für Stück.

Um so mehr, als ich gelitten,

Um so schöner ward die Welt.

Seltsam, daß, was ich erstritten,

Sachte aus der Hand mir fällt. —

Um so leichter, als ich werde,

Um so schwerer trag' ich mich.

Kannst du mich, du reiche Erde,

Nicht entbehren? frag' ich dich. —

»Nein, ich kann dich nicht entbehren,

Muß aus dir ein' andern bauen,

Muß mit dir ein' andern nähren,

Soll sich auch die Welt anschauen.

Doch getröste dich in Ruh'.

Auch der andre, der bist du.«

 

An Gottes Herz.

Wir Eintagsfliegen spielen heut

Gern mit dem Wörtlein: Ewigkeit.