Rostem und Suhrab
Kapitel 8
Du schirmest ganz allein Iran mit deiner Kraft,
Und Turan zittert, wenn sich rührt dein Lanzenschaft.
Du reitest ganz allein bei Nacht in Turan ein,
Und streifest dort umher, und schläfest dort allein.
Dergleichen Kunde ward mir vom Gerücht vertraut;
Lang wünscht ich dich zu sehn, heut hab ich dich geschaut.
Wenn du zu Weibe mich begehrst, bin ich dein Weib;
Nie Mond- noch Sonnestral berührte diesen Leib.
Vom Schleier meiner Zucht erwuchs ich tief umfangen;
Den Zügel der Vernunft entzog mir dieß Verlangen:
Ich bitte Gott, von dir zu tragen einen Sproß,
Der einst, an Kraft dir gleich, beherrsche dieses Schloß.
Zur Mitgift will ich jetzt, o Held, dieß Schloß dir bringen,
Zur Morgengab alsdann, Rostem, dein Ross dir bringen!
8.
So endet' ihren Gruß das Mondglanzangesicht;
Der Löwenkühne hört' aufmerksam den Bericht.
Wie sie der Held so schön, so perlgleich sie sah,
An Sinn so hoch und an Verstand so reich sie sah,
Und daß sie noch dazu vom Rachs ihm gab die Kunde;
Von lauter Frölichkeit sah er erfüllt die Stunde.
Er rief die wandelnde Zipress' an sich heran;
Hold tauschte Blick und Wort mit ihr der Pehlewan.
Er rief ins Vorgemach, daß einen der Mobeden
Sie brächten ihm herbei, der wüßte wol zu reden.
Den sendet' er alsbald, den Weisen tugendvoll,
Daß er die Tochter ihm vom Vater fordern soll.
Der Wolverständige, dahin zum Schahe schritt er,
Und that die Werbung kund von Irans edlem Ritter.
Der Schah ward freudenvoll, da dieser Gruß erscholl;
Er fühlte, wie sein Herz von hohem Mute schwoll.
Er richtete sich stolz, der Zeder gleich, empor;