Rostem und Suhrab
Kapitel 2
Und als zu Kolenglut war eingebrant die Flamm,
Erkor der Recke sich zum Bratspieß einen Stamm.
Der Elke feistesten steckt' er an diesen Baum,
Der wog in seiner Hand nicht eines Vogels Flaum.
Er drehte wohl den Spieß, daß fein der Braten briete
Auf allen Seiten gleich, und nirgend ihm misriete.
Und als er gaar nun war, nam er ihn vor, und saß
Am grünen Boden hin mit guter Lust und aß,
Wobei er auch das Mark im Knochen nicht vergaß.
Gesättigt, schritt er nun hin wo ein Waßer lief,
Zur Gnüge trank er auch, dann legt' er sich und schlief.
Am Rand des Baches lag der Held, den heißen Tag
Ausschlafend, und sein Ross gieng weidend frei im Hag.
2.
Als Rostem lag und schlief, und an sein Ross nicht dachte,
Da kamen Türken her, ein sieben oder achte.
Die sahn ein edles Ross frei weiden in dem Bann
Von Turan, und zu sehn zum Rosse war kein Mann.
Worauf sie sich alsbald das Ross zu fangen schickten:
Sie hättens nicht gewagt, wo sie den Mann erblickten!
Da kamen sie dem Rachs mit ihrer Fangschnur nah;
Aufschnaubt' er wie ein Leu, da er die Fangschnur sah.
Nicht wollte sich der Rachs geduldig laßen fangen,
Es wäre schlimm zuvor erst einigen ergangen.
Den Kopf vom Rumpfe riß dem einen sein Gebiß;
Derweil ein Hufschlag zwei zu Boden hinten schmiß.
Der kühnen Türken so getödtet lagen drei,
Das kriegerische Ross war noch von Banden frei.
Doch unverdroßen stürmt herbei der andre Tross,
Und warfen übers Haupt mit Müh die Schnur dem Ross.
Gebändigt führen sies zur nahen Stadt in Eil,
Es wär um vieles Gold ihr Fang nicht ihnen feil.
Es sei von hoher Art, ersahn sie an den Zeichen;