Rostem und Suhrab
Kapitel 3
Jedweder wollte Teil am edlen Hengst erreichen.
Sie fürchteten, der Raub werd ihnen bald entführt,
Nicht lange bliebe solch ein Schatz unaufgespürt.
Da brachten sie geschwind ihn zu der Stuterei,
Daß seines Samens doch teilhaftig jeder sei.
Ich hörte, daß er dort auf zwanzig Stuten sprang,
Die alle seiner Wucht erlagen beim Empfang.
Und nur von einer ward getragen Leibesfrucht;
Zu Großem war bestimmt das Folen edler Zucht.
3.
Doch Rostem, wie er dort von seinem Schlaf erwachte,
Das erste war sein Ross, an das er wieder dachte.
Er blickt' umher, und sah sein Ross nichtmer im Hag;
Verlaufen hatt es ihm sich nie vor diesem Tag.
Laut rief er ihm; sonst kams auf leisen Ruf herbei;
Nun kam es nicht; da sprang er auf mit lautem Schrei.
Er suchte rings im Hag, er spähte durch die Flur,
Von seinem Rosse fand er hier und dort die Spur,
Es selber fand er nicht, und rief: O weh! verloren
Hab ich, derweil ich schlief, mein Ross gleich einem Toren.
Was soll ich ohne Ross mit dieser Rüstung thun?
Des Rittes lang gewohnt, geh ich zu Fuße nun?
Was werden Türken, wenn sie mir begegnen, sagen,
Daß ich den Sattel muß, statt mich der Sattel, tragen?
Verlaufen hat sichs nicht, das ist nicht seine Art;
Nun desto schlimmer, wenn es mir gestolen ward!
Doch lang bleibt nicht der Rachs des Rostem unbekant;
Auffinden werd ich ihn, der mir den Rachs entwandt!
Kam wol, derweil ich schlief, ein ganzes Türkenheer?
Denn einem einzgen ist der Rachs zu fangen schwer.
Doch den Gedanken ist vergebens nachzuhangen;
Auf, rüste dich zum Gang, weil dir dein Ross entgangen!
So sprach er unmutsvoll, und schwieg, und schaute stumm Noch eine Weile sich nach seinem Rösslein um;