Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 27 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 27

Und wenn derselbe selbst hervorzutreten zagt,

So komm ein andrer, der mit mir die Probe wagt.

Ihr sollt nicht glauben, weils an einem euch gelang,

Daß Turans Trotz den Stolz von Iran schon bezwang!

Was einer schlecht gemacht, das macht ein andrer gut;

Die blaße Schmach Hedschirs röt ich mit wessen Blut?

Wer hat sein Leben feil? wer hat zum Kampfe Mut?“

Vom stolzen Lager war gehört die Forderung,

Und ihr zu folgen stand schon mancher auf dem Sprung.

Doch allen kam zuvor Suhrab mit einem Sprunge

Aufs Ross, indem er rief: Ihr wartet, alt' und junge!

Den Handel, den ich angefangen, muß ich enden;

Wegnemen soll mir keins die Arbeit untern Händen.

Das ist zum einen Stück das andre, wie ich merk,

Und beide Stücke sind zusammen erst ein Werk.

Sagt dem Hedschir: Zum Trost schaff ich in seiner Not

Einen Genoßen ihm, lebendig oder tot!

So rief der junge Held, und ritt von dannen jach;

Das Türkenlager rief ihm lauten Beifall nach.

 

27.

 

Auf einen Bogenschuß ritt er zu ihr hinan;

Er lachte leis' und kniff die Lippe mit dem Zahn.

So sprach er froh bei sich: ein andres edles Thier

Ist hergekommen in des Jagdherrn Jagdrevier.

Wie in dem Dickicht, wo ein Leu sein Lager hat,

Wo ihm verfallen ist zu Raube, was da naht;

Die stärkste Hirschkuh hat er eben dort bezwungen,

Da kommt das zarte Kalb der Mutter nachgesprungen.

Lautblöckend suchet es die Mutter in der Not,

Und fand an Mutter Statt den Löwen und den Tod.

Des Löwen Mittagstisch war mit der Kuh beraten,

Und nun zur Abendkost dient ihm des Kälbchens Braten.

Wer sendet Beut auf Beut hernieder zum Gewinne Mir von der alten Burg, daß keine mir entrinne?