Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 82 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 87

Und wo ich selber schlug, da ward ich nie geschlagen.

Nun komm heran, blick her, wie ich dich morden will;

Entkommst du mir, so fürcht hinfort kein Krokodill!

Allein es fühlt mein Herz mit dir, Kind, ein Mitleiden,

Vom schönen Leib will ich nicht deine Seele scheiden.

Gar einem Türken gleichst du nicht, o schlanker Baum!

Deinsgleichen viele wüßt ich auch in Iran kaum.

Wie Suhrab hörte, daß so sanfter Rede pflegte

Der Recke, fühlt' er auch, wie sich sein Herz bewegte,

Und sprach: O alter Held, ich will ein Wort dich fragen,

Du aber mußt nun auch mir alle Wahrheit sagen.

Vermelde mir, eh wir uns schlagen, dein Geschlecht!

So, hör ich, hielten es die Alten im Gefecht.

Ich glaube wirklich, daß du Niemand auf der Welt

Als Rostem bist, der Fürst im grünen Heergezelt.

So sprach er, und so nah daran wars, daß gewendet

Würd alles Weh in Lust, und aller Streit geendet.

Da kam ein finstrer Geist auf Rostem, und er sprach:

Ich bin nicht Rostem! was fragst du dem Rostem nach?

Er ist ein Ritter, ist ein Fürst, ich bin ein Knecht;

Mit ihm nicht, nur mit mir ist dir der Kampf gerecht.

Ich bin der Späher, der dir auf der Burg erschlug

Den Mann, der thöricht Lust mich auszuspähen trug.

Nun komm zum Kampf, mein Sohn, des Schwatzens ist genug.

 

87.

 

Da schwenkte sich im Zorn zur Linken ab Suhrab

Von Rostem, Rostem lenkte rechts von Suhrab ab.

Doch als auf Bogenschuß sie auseinander waren,

Da wendeten sie schnell, und kamen hergefaren.

Entgegen stoben sich zu Ross die beiden Ritter,

Entgegen schoben sich die beiden Ungewitter;

Entgegen schnoben sich ein Sohn und Vater bitter:

Die Schläge hoben sich, und jeder Schlag gab Splitter.