Rostem und Suhrab
Kapitel 7
Die Becher ließ er nicht die ungetrunknen säumen;
Und als er trunken war, dacht er den Sitz zu räumen.
Da war bereit für ihn, gewölbet kühl und luftig,
Ein Schlafgemach, von Musk und Rosenwaßer duftig.
Im kühlen Schlafgemach verschlief auf seidnen Decken
So Müdigkeit als Rausch Rostem, der Feinde Schrecken.
7.
Um Mitternacht, wenn sich des Poles Wagen drehn,
Ward leises Wort gesagt bei leiser Tritte Gehn.
Geräuschlos aufgetan ward Rostems Ruhgemach,
Mit Staunen ward der Held beim Glanz von Fackeln wach.
Tehmina stand vor ihm, bestralt von Stein und Gold,
Die Königstochter von Semengan wunderhold.
Ihr standen beiderseits mit Fackeln Dienerinnen;
Sie stralte hell vom Glanz der Fackeln und der Minnen.
Der Reiz der Jugend war in den der Scham getaucht,
Der Wangen Lilien von Rosen überhaucht.
Doch im Rubinenschloß des Mundes lag bewart
Geheimnis liebliches, für diese Nacht gespart.
Er richtete sich auf, und staunte lang und tief,
Indem er Preis ob ihr und ihrem Schöpfer rief.
Er fragte sie und sprach: Wie, Holde, nennst du dich?
Und was in finstrer Nacht zu suchen kommst du, sprich!
Zur Antwort gab sie ihm: Tehmina ist mein Name,
Gespalten ist mein Herz von einem tiefen Grame.
Ich bin des Schahes von Semengan einzig Kind,
Von Kindheit auf, im Lauf, der Neid von Hirsch und Hind;
Sie holen mich nicht ein, mich holt nicht ein der Wind.
Allein die Sehnsucht kam mich heimlich einzuholen,
Die führt mit diesem Gram mich her zu dir verstolen.
Wie eine Wundersag hab ich aus jedem Munde
Gehört zu jeder Stund, an jedem Ort die Kunde,
Wie du so tapfer bist, und trägest keine Scheu Vor Tiger, Elefant und Krokodil und Leu.