Rostem und Suhrab
Kapitel 63
Unglaubig schüttelte das traurige Gerücht
Sein Haupt, es glaubte nicht den fröhlichen Bericht.
Aber das fröhliche geriet in Zorn, und rang
So mit dem traurigen, bis es den Feind bezwang.
Das traurige Gerücht vom fröhlichen danieder
Geschlagen lag, und stand die Nacht durch auf nicht wieder.
Froh seines Sieges gieng das fröhliche vondann,
Und wo es gieng und stand, ward fröhlich Weib und Mann.
Abwechselnd sprach es ein in Häusern groß und klein,
Willkommen überall, beliebt wars allgemein.
Und jeder, dem es noch vor Schlafengehn gebracht
Ins Haus die Kunde, schlief dann beßer in der Nacht.
63.
Sie aber saßen noch beim frohen Maal und tranken,
Bis sie, vom Wein bekämpft, dem Schlaf zur Beute sanken.
Doch morgens, als die Sonn ihr goldenes Panier
Aus Purpurvorhang hob zur Decke von Safier;
Als auf der stillen Flur der Hirt in seinem Pferche
Mit seiner Herd erwacht' am Morgenlied der Lerche:
Da ward die Stadt erweckt von drönendem Metall,
Von rauhen Erzes Mund und von Heerpaukenschall.
Da drangen mit Geschrei Kriegsvölker rings herbei,
Siegsmutig, daß nunmehr bei ihnen Rostem sei.
Vom eignen Fürer ward gefürt jedwede Schar
Aus Iran, und es fürt' aus Sabul die Sewar.
Rostem, der Pehlewan, ritt auf dem Rachs allein;
Nicht einer Schar, dem Heer gehört' er allgemein.
Doch jeder Schar den Platz wies an der Feldherr Tus,
Und Sold aus seinem Schatz der König Keikawus.
Mit Lust sah Keikawus vorbeiziehn jede Schar,
Die vom Feldherren Tus ins Feld entboten war.
Er freute sich des unzählbaren Heergedränges,
Der kaiserlichen Macht, des fürstlichen Gepränges.
Da freut' er sich sosehr an keiner tapfern Schar,
Als daß der tapferste beim Heere, Rostem, war.
Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,
Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.
Gleich einem Meere kam die Menschenflut in Gang,
Dem festen Lande ward vor Ueberschwemmung bang.
Die Berge zitterten, gestampft von ihrem Hufe,
Und Wolken splitterten, gesprengt von ihrem Wufe.
Die Sonne sah ihr Bild verhunderttausendfacht
In jedem blanken Schild, in jeder Rüstung Pracht.
So stieg der Waffen Glanz und so ihr Schall empor,
Daß jedes Auge blind, und taub ward jedes Ohr.
So nickte Helm an Helm, und schwankte Busch und Feder,
Alswie, vom Sturm bewegt, auf Bergen Tann und Zeder.
So ragten, Reih an Reih, die dichtgedrängten Speere,
Alswie auf gutem Feld sich dränget Aehr an Aehre.
Geschmückt schien, wo das Heer im Schmuck der Waffen fur,
Mit einem wandelnden Glanzfrühlinge die Flur.
So blühte, wo es zog, die Au; doch wo vorbei
Es war gezogen, blieb dahinter Wüstenei;
Denn abgeweidet ward manch Saatenfeld, und leer
Getrunken mancher Bach vom Ross- und Menschenheer.
So zog das Heer zur Grenz in ungehemmtem Lauf,
Und nah der weißen Burg schlug man das Lager auf.
Zwischen-Dekoration