Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 72 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 77

Mit seinem Haus allein kann er ein Reich beschützen.

Denn neunundsiebzig sind der Söhne, die er zält;

Der achtzigste bin ich, der heut im Lager fehlt.

Doch Suhrab sprach: Warum hast du dich laßen fangen?

Sprich Wahrheit! und noch heut kanst du hinab gelangen.

 

77.

 

Wes ist das grüne Zelt, aus Duft und Glanz gewebt,

Das wie ein Waldgebirg sich über Hügeln hebt?

Alswie ein Waldgebirg, das fest steht und nicht wankt,

Wenn, von des Sturmes Hauch bewegt, sein Baumwuchs schwankt.

In diesem Zelte wol ist Irans Hoffnung grün,

Und meine Hoffnung wird bei seinem Anblick kühn.

Vorm Zelt in Waffen sitzt ein Mann, und steht ein Ross,

Er einem Riesen gleich, und es wie ein Koloss.

Er sitzt, und hoch nicht scheint der Sitz, den er erkor;

Aus allen doch, die ihn umstehn, ragt er hervor:

Er blickt auf sie hinab, sie schaun zu ihm empor.

Allein zur Seite blickt er stets nach seinem Ross;

Es ist wol auf der Welt sein liebster Kampfgenoß.

Es steht das Ross mit ungeduldigem Gestampf,

Und ihn erhebt im Sitz die Ungeduld nach Kampf.

Entgegen streckt er ihm die Hand, es reckt sein Haupt

Erwartungsvoll und lauscht, es spitzt ein Ohr und schnaubt.

Die Mähne streicht er ihm, da fängt es an zu brausen;

Das freuet seinen Herrn, die andern macht es grausen.

An seiner Seite hängt ein Schwert, an seinem Knie

Lehnt eine Keule schwer, kein andrer höbe sie.

Er schwingt die Keule bald hoch übers Ross empor,

Bald aus der Scheide zieht er halb das Schwert hervor.

Die Keule sausen hörts und sieht die Schneide blitzen,

Und tost; was wird es erst, wenn er wird droben sitzen!

Ich habe nie gesehn solch einen Mann wie den,

So hab ich niemals auch ein Ross wie das gesehn;