Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 38 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 40

 

Doch Suhrab gieng nunmehr im weiten Schloß umher,

Und fand den Raum von dem, wornach er suchte, leer.

Da sprachen, die es sahn: Nach Schätzen suchet er.

Und suchen gieng im Schloß nach Schätzen auch das Heer.

Er aber suchte fort und fort sie hier und dort;

Am einen fand er nichts, und sucht' am andern Ort.

Er dachte, daß sie doch sich müße wo verstecken,

Und immer hoffte noch sein Herz, sie zu entdecken.

Wie ein verlegt Gerät man sucht an jedem Flecke,

Wo man es schon gesucht, und suchts in jeder Ecke,

Wo mans nicht fand, und denkt, daß es doch wo noch stecke.

Er gieng zur Zinn hinaus, wo er von unten hoch

Sie gestern stehen sah; stehn wird sie da heute noch!

Er freute sich, zu stehn, wo sie zuvor gestanden,

Und ließ den Blick hinaus umschweifen in den Landen.

Er sah darauf die Berg' und jede Thalschlucht an,

Ob sie hindurch villeicht genommen ihre Bahn.

Er fragt' um sie, von der er wußte nun den Namen,

Die Wolken und die Lüft, ob sie von ihr nicht kamen.

Mit Wind und Sonnenschein sprach er, mit Pflanz und Stein

Sprach er von ihr, nur mit den Leuten nicht allein.

Die Leute plünderten, zerhieben und zerstachen,

Zerschmißen, rißen ein, zerwülten und zerbrachen.

Sie suchten einen Schatz, und weil sie keinen Schatz

Am Platze fanden, ward zerstört dafür der Platz.

Doch Suhrab, dessen Herz ein andres kümmerte,

Sah unbekümmert drein, wie alles trümmerte.

Er sah, und sah es nicht, wie man die Burg zerstörte,

Alsob sie noch dem Feind, nicht schon ihm selbst gehörte.

 

41.

 

Zu dem in Liebeslust gefangnen jungen Mann Mit Mahnung und Verweis trat Barman und begann: