Rostem und Suhrab
Kapitel 47
Doch gerne möcht ich sehn dem Jungen ins Gesicht,
Der Suhrab ist genannt, die junge Kriegesflamme,
Entsproßen, wie man sagt, Semengans Königsstamme!
Ich könnt ihn nach dem Kind und seiner Mutter fragen,
Und einen Gruß an sie nach Turan ihm auftragen,
Den trüg er hin, wenn ich ihn hier nicht hätt erschlagen!
47.
So sprach der alte Held in tiefbewegtem Sinn,
Und all sein Denken schuf ihm lauter Ungewinn.
Dann blickt' er auf, und sprach zum Boten, den er fast
Vergeßen hatte: Komm! für heut bist du mein Gast.
Es ist nicht Eilens Not mit Krieg und Kriegsgebot:
Ich seh nicht, was dem Reich von Iran Großes droht!
Nun machte wol mich scheu ein reckenhafter Knabe,
Da ich nicht Furcht vor Leu und Elefanten habe?
Es sollt ein blinder Schreck mich gleich in Harnisch bringen,
Und stehndes Fußes sollt ich auf den Rachs mich schwingen?
Weil gegen ihn ein Tropf die weiße Burg verlor,
Ist drum der Brausekopf schon vor der Hauptstadt Tor?
Ein knabenhafter Mann, wieviel er Kraft gewann,
Wenn sich zu rühren erst für ihn mein Schaft begann,
Sehn werdet ihr, wielang er seiner Haft entrann!
Ich wurde fertig sonst mit Riesen und Dämonen,
Ich fürchte mich vor nichts, was hinterm Berg mag wohnen.
Er wird sich hüten uns ins Garn herein zu springen;
Wir werden zeitig ihm den Tod entgegen bringen.
Soll in Bewegung erst sich setzen Meeres Braus?
Das Glimmen geht von selbst des Aschenhäufchens aus.
Wir werden bald genug auch diesen Weltbrand dämpfen;
Heut hab ich keine Lust für Keikawus zu kämpfen.
Kommt! eh auf seinen Wink wir morgen Türken hetzen,
Will ich mich heute noch mit lieben Freunden letzen.
Wir schlagen aus dem Sinn die Schlacht uns beim Gelag, Bei hellem Becherklang und frohem Lautenschlag,