Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 70 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 75

Dir wird ein Ehrenkleid von mir und Ehrenplatz.

Und sagst du das mir nicht, so bleibt auf deinem Rumpf

Dein Haupt nicht, oder mir wird ehr die Klinge stumpf!

Zur Antwort gab Hedschir: Was säumst du lange? frage!

Wiß, daß ich weder lüge, noch vorm Tode zage.

 

75.

 

Da hob zu fragen an Suhrab: Dort in der Mitte

Wes ist das Prachtgezelt von lauter Gold? ich bitte!

Fest steht es hingepflanzt recht in des Heeres Herz;

Von ihm durchs Lager gehn die Straßen allerwerts.

Auf allen Straßen nahn wie grüßende mit Bitten,

Und gehn wie dankende davon mit leichten Schritten.

Ganz Goldglanz ist das Zelt vom Fuß zum Knauf hinan,

Und weit wie ein Palast allseitig aufgetan.

Vor jedem Eingang liegt, wie Hündlein zahm und treu,

Im goldnen Band geschmiegt, ein Tiger und ein Leu.

Doch oben sitzt ein Aar, aus dessen Krallen steigt

Die Fahn empor, in der der Sonne Bild sich zeigt.

In solcher Wohnung kann kein kleiner und gemeiner

Wirt wohnen, wie mir dünkt; was wohnt darin für einer?

Da hob Hedschir sein Haupt, voll Stolz auf Irans Macht,

Und sprach: Dort wohnt der Schah in seiner Größ und Pracht.

Sein Thron ist Tag und Nacht von seinen treuen Leuen

Umhütet und umwacht, und darf nicht Feinde scheuen.

Doch fort zu fragen fuhr Suhrab: Zur linken Hand

Vom Goldgezelt, wes ist des Zeltes Silberwand?

Mit offnem Eingang steht gewandt zum goldnen Zelt

Sein Tor, wo Leopard und Panther Wache hält.

Doch oben trägt ein Greif in Silberklaun empor

Die Fahn, in der ein Mond; wer ist, der das erkor?

Zur Antwort gab Hedschir: Das ist des Schahes Sohn,

Ferabors, ihm der nächst am Herzen und am Thron.

So recht! rief Suhrab aus: wo so zusammen hält Ein Vater und ein Sohn, verteilen sie die Welt.