Rostem und Suhrab
Kapitel 4
Denn immer dacht er noch, es müßte wieder kommen:
Wer auf der Welt sollt ihm haben den Rachs genommen?
Als aber doch der Rachs nicht wiederkommen wollte,
Macht' er sich endlich an den sauren Gang, und grollte.
Mit Waffen und Geschirr belud er sich, und sprach
Noch viel mit sich, indem er gieng den Spuren nach.
Die Spuren leiteten zur Stadt Semengan ihn,
Die dort im Abendstral zu ihm herüber schien.
4.
Er sprach: Das ist die Stadt, in der ein König sitzt,
Der es mit Turan jetzt und hält mit Iran itzt,
Der wie die Wage schwank sich nach der Seite neigt,
Wo sich ein Perser hier und dort ein Türke zeigt.
Den Rostem kennen sie, wenn er zu Pferde steigt!
Doch fehlt mir ja der Rachs, daß ich zu Pferde steige!
Ob ich zu Fuße denn mich in Semengan zeige?
Ich geh in ihre Stadt zu Fuß mit meinen Waffen,
Und seh, ob meinen Rachs sie dort mir wieder schaffen!
Ich sag es ihnen gleich, daß sie ihn schaffen sollen,
Und denke nicht, daß sie ihn vorenthalten wollen!
Ich werb um Gastherberg in dieser Stadt der Grenzen,
Und sehe, was beim Schmaus dem Rostem sie kredenzen!
So sprach er unterm Gehn, doch aus den Augen ließ
Er nie dabei die Spur, die sich am Boden wies;
Bis die in Schilf und Rohr am Fluße sich verlor;
Da ließ er sie, und gieng grad auf Semengans Tor.
Nun in Semengan ward dem König angesagt:
Held Rostem kommt, er hat im Türkenforst gejagt.
Zu Fuße geht einher die lichte Kronenzier,
Weil ihm entlaufen ist der Rachs im Jagdrevier.
Der König, wie er dieß vernam, war er geschürzt,
Daßnicht ein solcher Gast an Ehren sei verkürzt.