Rostem und Suhrab
Kapitel 44
Rostem ist Irans Held, geholt soll Rostem sein.
Im Kampf mit Turan war stets Rostem Irans Hort;
Aus Sabulistan sei er eingeholt sofort!
Der Schah schreib einen Brief, worin ihm werd empfolen
Zu eilen; aber Gew, sein Eidam, geh ihn holen.
44.
Da saß der Schah und schrieb an Rostem einen Brief,
Worin er Gottes Preis ob ihm zum Eingang rief:
Hort der Iranier, Fürst von Sabulistan!
Stets sei vom Ruhm genant des Reiches Pehlewan!
Von Turan ist ein Sturm und Friedensbruch gekommen,
Die weiße Burg hat er den Hütern abgenommen.
Suhrab, so ist genant die junge Kriegesflamme,
Entsproßen, wie man sagt, Semengans Königsstamme;
Ein Wetterstral, ein Brand, ein Recke sonder Scheu,
Von Leib ein Elefant, von Herz und Mut ein Leu.
Wie Gesdehem uns schreibt, so ist kein Mann der Welt,
Der diesem Wagehals von Kind die Wage hält,
Als du nur, Irans Held! All meine Ritter saßen
Zu Rate, wo mit mir sie diese Fahr ermaßen,
Und einig sind sie, daß mit ihm den Kampf kann üben
Kein anderer, nur du magst ihm das Waßer trüben.
Denn du bist unser Hort und Schmuck und Putz allein,
Du Irans Rettungsport und Turans Trutz allein,
Die Stütze fort und fort des Throns und Schutz allein.
Nun gilt es, der Gefahr mit Kraft Entgegenstemmung,
Die Brust von Iran frei zu machen von Beklemmung;
Hemmung und Dämmung gilts von Turans Ueberschwemmung!
Sobald du diesen Brief erbrochen hast, brich auf!
Im Augenblick brich auf, und halte dich nicht auf!
Stehst du, wo dieser Brief ankommt, nicht sitze nieder
Zu lesen! sitzest du, erheb im Sprung die Glieder!
Wenn in der Hand den Strauß du hältst, zu riechen, reuch nicht Daran! wirf hin den Strauß, zeuch aus, zeuch! und verzeuch nicht!