Rostem und Suhrab
Kapitel 98
Vom Haupte legest du des schweren Helmes Glanz,
Und um dein Haar leg ich von Rosen einen Kranz.
Dann sitzen wir beim Wein, und plaudern vom Gefecht;
Und alles, was ich weiß von mir, sag ich dir recht:
Du selber sagest auch mir Stammbaum und Geschlecht.
Nach deinem Namen hab ich ohne Rast und Ruh
Gefragt, und Niemand sagt ihn mir, o sag ihn du!
Nicht ziemt es zwischen uns, so Herz und Mund verschloßen
Zu halten, denn wir sind von gestern Kampfgenoßen.
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So sprach das Kind; ihm hatt aus Waßer, Luft und Flur
Gesprochen sanft ans Herz die Sprache der Natur.
Wie eine Knospe war das Herz ihm aufgegangen,
Und das Verlangen blüht' auf seinen Rosenwangen.
Doch wie die Knosp am Strauch, vom Frülingsstral geweckt,
Zurück vom kalten Hauch des Nordwinds wird geschreckt;
Und wie die Blume, die den Kelch geöffnet hält
Dem Früthau, wenn auf sie der giftge Melthau fällt:
So schrumpfte Suhrabs Herz zusammen, und es brach
Der Hoffnung grüner Stiel ihm ab, als Rostem sprach:
Nicht also haben wir, o liebes Kind, gewettet,
Zu ruhn in Friedensruh auf Frülingsgrün gebettet.
Wir haben uns bestellt, im Ringkampf uns zu tummeln,
Nicht stachellos umher zu schwärmen wie die Hummeln.
Wenn du ein Jüngling bist, so bin ich doch kein Knabe;
Du siehst, daß ich den Gurt geschnallt zum Ringen habe.
Du hast mich lang genug aufs Tagwerk laßen warten,
Rosen zu brechen, wie sie blühn in unserm Garten.
Der Hauch des Morgens ist belobt zu jedem Werke,
Und mir erneuet er der alten Glieder Stärke.
Drum, eh des Mittags Glut der Sehnen Kraft abspannt,
Zeig, ob du bist ein Mann, wann ich dich übermannt!
Ich habe nicht gehört, daß auf dem Kampfplatz plaudern Kampflustige, wenn froh die Hengst im Frühwind schaudern.