Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 107 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 112

Da kämpfte Stolz und Schmerz in Rostem einen Kampf,

So heiß, daß sichtbar ihm vom Haupte stieg der Dampf:

Er hob und hielt den Schritt, und zuckte wie im Krampf.

Dann beugt' er sein Genick demütig dem Geschick;

Ertragen wollt er des feindselgen Königs Blick.

Drei schwere Schritte hatt er schon im Weg gemacht;

Da ward die Botschaft ihm in Eile nachgebracht:

Die Sonne, deren Ruhm der Welt geleuchtet, barg

Sich in die Nacht; dein Sohn braucht nichts als einen Sarg.

 

112.

 

Tehemten gieng zurück zu seinem toten Sohn;

Sie hatten zugedeckt des Toten Antlitz schon.

Der Vater aber hob mit seiner Hand die Hüllen

Hinweg, um neu sein Herz mit Jammer zu erfüllen.

Rings war dreifache Nacht: am Himmel Nacht, im Herzen

Tehemtens Nacht, und Nacht verlöschte Suhrabs Kerzen.

Ihn sah beim Sternenlicht der Vater, und erschreckt

Stand er, dann rief er aus, als er ihn zugedeckt:

Oft hab ich wol dem Tod ins Angesicht geschaut

In mancher Schlacht, und nie hat mir vor ihm gegraut.

Und schöner hab ich ihn, als hier im Angesicht

Des Jünglings nie gesehn, doch ohne Grauen nicht!

Weh, Rostem, dir! weh dir! mit deinem Heldenruhme

Kaufst du vom Tod zurück nicht diese Liebesblume.

Zäl in Gedanken auf nur alle deine Taten!

Durch diese letzte hier sind alle schlecht geraten.

O unglückseliger geliebter Jüngling du,

So ruhest du durch mich, und raubest mir die Ruh!

Dich hat von Kindheit an ein falscher Glanz entzündet;

Das, was von Rostems Ruhm dir das Gerücht verkündet,

Das trieb zum Vater dich; dein Stolz und deine Lust,

Dein Leben wars, dein Tod, zu ruhn an seiner Brust.

Du hast mit Ungestüm dich an mein Herz gedrängt;