Rostem und Suhrab
Kapitel 48
Und machen vor der Nacht uns einen guten Tag.
Du, Eidam, sollst mir was von meiner Tochter sagen,
Vom jungen Recken auch, den ich euch todt soll schlagen!
Die Herrlichkeit der Welt wird all am Ende Staub;
Begießen wir mit Wein des Lebens grünes Laub!
Seware! geh ins Haus, bestell uns einen Schmaus!
Wir leeren vor der Nacht noch manchen Becher aus.
48.
So rief der alte Held aus aufgeregter Seele;
Sein Bruder tat, wie er gewohnt war, die Befele.
Und auch der Eidam wagte nicht zu widersprechen;
Er wußte, daß mit ihm nicht gut sei Lanzen brechen.
Der alte Recke ließ sich durch den Sinn nicht faren;
Starr war sein Kopf und hart, besetzt mit struppigen Haaren.
Dem Schwäher folgte Gew vergnügt ins Haus zum Schmaus,
Und dachte: Mach er mit dem Schah es selber aus!
Wir wollen heut mit Wein die staubgen Lippen netzen,
Und morgen können wirs durch schärfern Ritt ersetzen.
Sie saßen beim Gelag, und hatten guten Tag,
Das Fest geschmückt war wie ein Frühlingsrosenhag.
Alswie ein Rosenhag, geschmückt mit Duft und Glanze,
Mit Nachtigallenschlag und blühndem Rosenkranze;
So blühte das Gelag von Sang und Klang und Tanze;
So mühte sich die Kunst geübter Tänzerinnen,
Vom Wirte Gold, und Gunst vom Gaste zu gewinnen.
Sie dachten an den Feind und an den König nicht,
Und sahn nur Rosenwang und Mondenangesicht.
Vom Schenken ließen sie den roten Wein sich schenken,
Und durften nicht dabei an Blutvergießen denken.
Sie schöpften Wonn auf Wonn aus unerschöpfter Tonne;
Froh war hinunter schon getrunken Tag und Sonne.
Zum Trunke leuchteten noch ihnen Sternefunken, Bis alle vom Gelag zum Lager giengen trunken.