Rostem und Suhrab
Kapitel 52
Er riefs, und sprang vor Zorn auf seinem Thron empor,
Auflodernd ungestüm alswie ein Feur im Rohr.
Der ganze Kreiß umher der Fürsten war betroffen,
Daß seinen Zorn der Schah so durft auslaßen offen.
Tus zauderte und wagt' an Rostem nicht die Hand
Zu legen, da geriet Keikawus erst in Brand.
Er brüllte durch den Saal alswie ein Leu im Forste,
Und schrie vom Throne wie ein Adler kreischt vom Horste:
Verräter, wer die Hand nicht legt an den Verräter!
Ein Uebertreter, wer nicht greift den Uebertreter!
Fort mit ihm auf der Stell, aus meinen Augen fort!
Und sagt dagegen mir kein unverständig Wort!
52.
So schnaubt' er, und vor Leid dem Tus das Herz zerbrach,
Daß er an Rostem sollt anlegen Hand mit Schmach.
Er faßt' ihn, nur damit er ihn aus dem Gesichte
Dem Kawus brächte, bis man dessen Zorn beschwichte.
Die Fürsten staunten, wie er faßte Rostems Hand,
Und Rostem wars allein, der nichts davon empfand.
Denn Rostems Seele schwoll von Groll und Unmut voll,
Daß vor den Fürsten ihm der Schah das bieten soll!
Er richtet' um ein Haupt noch höher sich empor,
Und um die Schultern schien er breiter als zuvor.
Dann tat er seinen Mund zu kühnen Reden auf,
Frei gegen Kawus ließ er seinem Zorn den Lauf:
Wer bist du, und wer ich, daß du so gegen mich
Darfst schnauben? auf der Welt bist du ein Schah durch mich.
Droh mit dem Galgen doch dem Suhrab, der dich schreckt,
Dem Ritter nicht, der dir den Feind zu Boden streckt!
Bin ich dein Untertan? Ich bin der Pehlewan
Des Reiches Iran und Fürst in Sabulistan.
Ich bin Tehemten, der, wenn er den Fuß im Grimm Stampft auf den Grund, der Grund erzittert unter ihm.