Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 94 von 113

PDF-Seiten

Rostem und Suhrab

Kapitel 99

Ich habe mich versucht mit Männern hier und dort;

Ich bin ein Mann der Tat, kein Mann von vielem Wort.

Drum meinen Namen nenn ich ehr nicht, sei verbürgt!

Als bis du liegst; dann sollst du wißen, wer dich würgt!

 

99.

 

Da rief Suhrab erzürnt: Wolan denn, alter Mann,

Wenn dich mein gutgemeinter Rat nicht beugen kann!

Mein Wunsch war, daß du einst auf einem sanften Pfühl

Den Geist aushauchtest, nicht im heißen Kampfgewühl,

Wer nach dir blieb, die Gruft dir ehrenvoll bedächte,

In Türkisschrein den Leib Sohn oder Enkel brächte.

Doch nun, mit Gott! wenn ist in meiner Hand dein Hauch,

Mit meiner Hand hier will ich ihn entbinden auch!

So rief er, und vom Ross sprang er gewaffnet nieder;

Der Helm klang auf dem Haupt, der Panzer um die Glieder.

Und ihm genüber schwang sich Rostem ab, ihm klang

Laut an der Hüft ein Schwert, das halb der Scheid entsprang.

Mit Schweigen giengen beid und füreten mit Schweigen

Die Ross' an ihrer Hand zum Bach hin unter Zweigen;

Wo an des Baches Rand ein einzler Felsen stand,

Der tauglich schien, ein Ross zu halten fest am Band:

Um den schlang Rostems Hand den Zaum des Rachs im Nu,

Und Suhrab eilig band sein Ross dort an dazu.

So standen dort in Ruh, das eine bei dem andern,

Die Rosse, da zum Kampf die Männer mußten wandern.

Friedfertig schnaubten sie sich an, und legten, als

Umarmeten sie sich, vertraulich Hals an Hals.

Sie unterredeten sich schweigend: ach, sie brächen

Ihr Schweigen gern auch, daß sie ihren Herrn zusprächen!

Doch diese ließen stehn mit seinem Sohn den Rachs,

Und schritten auf den Plan zum Faust- und Ringkampf stracks.