Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 12 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 11

Es war alsob zum Kampf die Welt er fordern wollte,

Alsob er selbst bestehn den eignen Vater sollte.

 

11.

 

Zu seiner Mutter kam der Knabe, sie zu fragen:

Verwegen sprach er da: Mutter, du sollst mir sagen!

Denn unter meinen Spielgenoßen rag ich hoch

Hervor, mein Haupt empor zum Himmel trag ich hoch.

Wes Samens, welches Stamms ich bin, will ich erkennen;

Wenn nach dem Vater man mich fragt, wen soll ich nennen?

Wirst du mir Antwort nicht auf diese Frage geben,

Am Leben bleib ich nicht, und du bleibst nicht am Leben!

Die Mutter, da sie dieß vom jungen Pehlewan

Vernommen, sah zugleich mit Stolz und Furcht ihn an:

Er war entwachsen ihr, und nicht mehr untertan.

Sie faßte sich und sprach begütigend: Vernimm

Ein Wort, des freue dich, und laße deinen Grimm!

Du bist des Rostem Kind, des Perserpehlewanen,

Und seine Ahnen sind in Iran deine Ahnen.

Drum übern Himmel trägst du hoch dein Haupt hinaus,

Weil du entsproßen bist aus solchem Heldenhaus.

Denn was an Heldentum nun in der Welt erscheint,

Das ist in Rostems Stamm, in Rostem selbst vereint.

Sieh dieses Goldgespang, nimm hin und halt es fein!

Zum Abschied gab mir das für dich dein Väterlein.

Erfährt er, daß sein Sohn erwuchs zum tugendreichen,

Nach Iran ruft er dich, und kennt dich an dem Zeichen;

Dann bricht mein Herz vor Leid, wann ich dich seh entweichen!

O Sohn! Afrasiab, der Schah von Turan, soll

Nicht wißen dein Geschlecht; das brächt uns seinen Groll.

Denn Niemand auf der Welt ist ihm wie Rostem feind,

Rostem, um welchen Blut in Turan wird geweint.

Witwen in Turan macht sein Schwert in jeder Schlacht;

Und ohne Schwertstreich hat er mich dazu gemacht.