Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 18 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 17

Es sproßt der erste Flaum auf seiner Wange kaum,

Und schon ist seinem Traum zu eng der Welten Raum;

In alle Himmel hoch wächst seiner Hoffnung Baum.

Aus seinem Odem weht ein süßer Milchgeruch,

Doch eitel Schwert und Dolch ist seiner Lippen Spruch.

Mit seinem Dolch will er die Brust der Erde ritzen,

Und an die Abendwolk ihr rotes Herzblut spritzen;

Keikawus soll vom Thron, dort will er selber sitzen!

Den Beutelustigen, die ihm mit leeren Händen

Und vollem Mute nahn, hat er viel Gut zu spenden,

Und mehr Verheißungen, die denkt er zu vollenden!

Sie drängen sich um ihn wie Stralen um die Achse

Der Sonn, alsob ein Heer ihm aus dem Boden wachse;

Als sei er Rostems Kind, und reit ein Kind vom Rachse!

In Wahrheit, wer ihn sieht, der glaubt wol dem Gerüchte,

Weil von den Stamme weit nicht fallen dessen Früchte;

Er scheint, mit solcher Zucht, von Rostem ein Gezüchte.

Wenigstens mutterhalb ist Suhrab edel schon,

Des alten Königs von Semengan Tochtersohn!

So ward dem Türkenschah geredet und geraunt

Von Suhrab, und er war darüber nicht erstaunt.

Er lachte still, es war vom Anbeginn ihm kund

Tehminas und Rostems geheimer Liebesbund.

 

17.

 

Afrasiab, der Schah, nachdem er den Bericht

Erwogen, lachte noch, und er misfiel ihm nicht.

Der Häupter seines Heers, des nun lang ausgeruhten,

Berief er einen gleich, Barman, den hochgemuten.

Zwölftausend Recken, frisch von Kraft und scharf von Schneide,

Las er dazu, und gab sie ihm mit dem Bescheide:

Bewährter Baruman, auf! nach Semengan lenke

Den Schritt mit diesem Heer, mit Brief und mit Geschenke.

Ermutige mir dort des Mutes jungen Keim!