Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 111 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 116

 

 

Ins Lager zog das Heer, und ab ward Zelt um Zelt

Gebrochen schnell, als gieng in Trümmer eine Welt.

Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,

Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.

Sie furen heimwärts nun, doch traurig, ihre Bahn,

Denn ihnen fehlete des Reiches Pehlewan.

Doch Rostem richtete sich auf von seinem Sohn,

Und sah das Heer im Zug, und leer das Lager schon.

Von allen Zelten stand nur noch sein grünes da,

Hochragend, und umher die niedrigern ihm nah

Von seiner Sabulschar; die ordnete Sewar,

Sein Bruder, dort, dann stellt' er selber ihm sich dar.

Tehemten sprach zu ihm: So ist der Kampf geschieden!

Geh hin ans Türkenheer, Sewar, und bring ihm Frieden!

Zuerst räum ein die Burg dort oben dem Hedschir;

Sag ihm: Die schenkt Suhrab für treue Dienste dir!

Dann sprich zu Baruman: Auch dich zum Lohn der Treue

Entläßt Suhrab, damit Afrasiab sich freue!

Du selbst, o Bruder, gibst dem Türken das Geleit,

Bis er die Grenz erreicht, sie ist von da nicht weit.

Dann wende dich von ihm links auf Semengan zu,

Und an Tehmina dort die Spang hier bringe du!

Verwische nicht daran von Suhrabs Blut die Spur!

Es ist das einzige, was von ihm heimwerts fur.

Nim auch sein Waffenkleid, sein Ross und Kriegsgeschmeid,

Und gib ihrs, daß sie sich ersättige am Leid!

Sie wird des Rosses Huf an ihren Busen drücken,

Das Schwert (entwind es ihr!) nach ihrem Herzen zücken.

Die Hände ringen wird sie und das Haar zerraufen,

Blut weinen, und das Blut des Sohnes nicht erkaufen.

Vom Vater ihren Sohn wird sie zurückverlangen,

Und klagen, daß sie nicht einmal die Leich empfangen.

Zu Boden wird sie sich, ins Waßer, auf das Feuer

Sich werfen, und es dient nicht ihrem Weh zum Steuer.