Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 10 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 9

Das Band mit Rostem kam ihm wert und theuer vor.

Dem Ritter in der Nacht gab er der Tochter Hand;

Und wie die Kund erscholl, war Freud in Stadt und Land.

Von Freuden war erwacht ein Aufruhr in der Nacht,

Zu Rostem sei als Braut des Königs Kind gebracht.

Da war der Jubel laut die ganze Nacht ums Schloß,

Wo seine holde Braut der starke Held umschloß.

Still tauschte drin das Paar die Lust der Seelen aus,

Und draußen ließ die Schaar die Kraft der Kehlen aus:

„Daß dieser neue Mond lang dein Behagen sei!

Daß deiner Feinde Haupt ewig geschlagen sei!

Aus diesem Bunde müß ein Heldensproß entspringen,

Der mög an Tapferkeit mit seinem Vater ringen!“

Sie meinten ihr Gebet zum Segen und zum Heil,

Der Himmel aber nam es an zum Gegenteil.

 

9.

 

Nach kurzer Freudennacht als an der Morgen brach,

Wand aus Tehminas Arm sich Rostem los, und sprach,

Indem vom Arm er nam ein goldenes Gespang,

Von dem erschollen war der Ruhm die Welt entlang;

Sie glaubten, daß daran sei Rostems Heil gebunden,

Und unverletzlich sei, wen dieses Band umwunden:

Das gab er ihr und sprach: Liebtraute! dieß bewar!

Wenn eine Tochter dir nun bringen wird das Jahr,

So nimm dieß Goldgespang, und schling es ihr ins Haar!

Als welterleuchtenden Glückstern soll sie es tragen,

Der ihr soll und der Welt von ihrem Vater sagen.

Wenn aber einen Sohn dir die Gestirne reichen,

So bind ihm um den Arm, wie ich es trug, das Zeichen.

Des Vaters Zeichen sei an seinem Arm bewart,

Und wachsen wird er selbst nach seines Vaters Art.

Gleich seiner Ahnen Stamm wird der aus Heldensamen

Erzeugte sein, es bleibt nicht ungenant sein Namen.

Ist er erwachsen, send ihn mir nach Iran zu!

Nun aber naht der Tag, ich geh, wol lebe du!

Zum Abschied faßt' er sie an seine starke Brust,

Auf Aug und Haupt gab er ihr manchen Kuss voll Lust.

Mit Weinen wandte sich von ihm die zarte Braut;

Sie ward nach kurzer Lust mit langem Weh vertraut.

Zu Rostem aber kam der König hochgemut,

Den Eidam fragt' er da, wie er die Nacht geruht?

Ihm gab er Kunde dann vom Rachs, er sei gefunden;

Und aller Sorgen war das Heldenherz entbunden,

Er gieng, und streichelt' ihn und sattelt' ihn sogleich,

Dann von Semengan ritt er froh und freudenreich.

Gen Sistan auf dem Rachs als wie ein Wind er flog,

Indem er die Geschicht in seinem Sinn erwog.

Von Sistan ritt er heim nach Sabulistan gar,

Und keinem sagt' er dort, was ihm begegnet war.

 

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