Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 50 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 53

Von meines Rosses Huf erhallt des Himmels Dom,

Und staunend still, wo es vorbeirennt, steht der Strom.

Ich bin der Rostem, sieggekrönt und ruhmgeschmückt,

Der wol um einen Schah wie du den Kopf nicht bückt!

Der Sattel ist mein Thron, der Helm ist meine Krone;

Ich spotte deiner Kron, und trotze deinem Throne.

Wer ist Kawus, daß er an mir den Zorn auslaße!

Und wer ist Tus, daß er mich bei der Hand erfaße!

Er riefs, und auf die Hand gab er solch einen Schlag

Dem Tus, daß er davon betäubt am Boden lag.

Hin über ihn und durch die andern schritt er stracks

Zu Hall und Hof hinaus, und schwang sich auf den Rachs.

 

53.

 

Die Fürsten drängten aus dem Saal ihm hinterdrein,

Den Kawus ließen sie mit seinem Zorn allein.

Sie eilten in den Hof, da saß der Rostem hoch

Auf seinem Sattel schon, und sprach vom Sattel noch:

Heim reit ich nun sogleich nach Sabul, in mein Reich;

Dort bin ich König selbst, dem König Kawus gleich.

Mag ohne Widerstand ganz Iran in die Hand

Von Turan fallen! ich behaupte wol mein Land.

Mag euch wie den Hedschir Suhrab vom Rosse stechen,

Und wie das weiße Schloß die Königsburg hier brechen!

Ich wehr ihm nicht, und wer wird ohne mich ihm wehren?

Euch allen rat ich, daß ihr mögt nach Hause kehren!

Kein edler Ritter dient solch einem Herrn mit Ehren.

Ein Hitzkopf sollte doch die Herrschaft nie erwerben!

Er stürzt das Land und stürzt sich selber ins Verderben.

O möcht ein Fürstensproß doch aus der Art nie schlagen,

Kein toller Sohn den Reif nach weisem Vater tragen!

Hab ich den Keikobad vom Berg Albors gebracht

Dazu, ihn auf den Thron gesetzt durch meine Macht, Daß Keikawus, sein Sohn, sich nun mir unnütz macht?

Die Fürsten wißen, daß sie selbst zum König mich

Begerten! damals setzt ich ein als König dich!

Und hätt ich dort gewollt annemen Kron und Reif,

So trügest du nicht jetzt den Nacken hoch und steif.

Darum mishandle nur mit schnöden Worten mich!

Ich habs um dich verdient! warum erhöht ich dich?

Doch dächten so wie ich die Fürsten, auf dem Thron

Ließen sie dich allein, und giengen auch davon.

Lebt wol! in euerm Land seht ihr mich nimmer wieder;

Eur Land und euch kauf ich nicht um ein Krähengefieder!

So rief er, und im Zorn gab er dem Rachs die Sporen,

Spornstreichs ritt er hinaus zum Hof und zu den Toren.

Wol eine Meile Wegs ritt er auf Sabul zu,

Dann sucht' er gegen Nacht in einer Herberg Ruh.

Sein Zorn kühlt' in der Nacht; er harrte, bis Sewar,

Sein Bruder, käme nach mit Sabulistans Schar.

 

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