Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 64 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 69

Da riefen sie laut einmal übers andre Preis

Und Heil, Lobpreis und Heil dem blühnden Ehrenreis!

Die Sterne selber sahn vom hohen Himmel nieder

Mit Wolgefallen auf die hohen Heldenglieder;

Allein sie schienen ihn mitleidig anzusehn,

Weil er ein Stern war, der so früh sollt untergehn.

Da sprach ein Himmelsstern zum andern mitleidvoll:

Schad um die Blüte, die im Lenz hinwelken soll!

Soviel des Schönen schon auf Erden sahn wir prangen,

Und eh wir einen Blick verwendet, wars vergangen.

Doch keine Knospe sahn wir glänzender und heller

Aufgehn, um trauriger dahinzugehn und schneller.

Wenn seine Mutter doch, die ihn, ihr einzig Glück,

Entsendet hat, und nie daheim empfängt zurück,

Wenn seine Mutter ihn mit unsrer Augen Stral

Noch einmal könnte sehn bei diesem Freudenmal,

In seiner Lust und und Kraft, den Baum im frischen Saft,

Den morgen schon villeicht dahin sein Schicksal rafft!

 

69.

 

So sprachen von dem Stern des Festes dort die Sterne

Des Himmels; eine Gunst erzeigten sie ihm gerne.

Da namen sie von Duft und Glanze, was im Raum

Von Erd und Himmel war, und woben einen Traum.

Wie einen Teppich bunt, mit reichem Gold gestickt,

Der Braut ein Bräutigam aus fernem Lande schickt,

Auf welchem sie erblickt mit staunendem Gefallen

Die Bilder abgeprägt von jenen Dingen allen,

Die ihr Geliebter selbst nun sieht in fremden Räumen,

Die Vögel unbekant auf unbekanten Bäumen;

Und so wie sie den Schmuck betrachtet, ist es ihr,

Sie reise dort mit ihm, er ruhe bei ihr hier:

Ein solcher Abdruck war vor allem eingewoben Dem Traumgewebe, das die Sterne dort erhoben.