Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 7 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 6

Von Rostems Rosse bleibt die Fährte nicht verborgen;

Wir schaffen dir den Rachs; gedulde dich bis morgen!

Mit ungestümer Hast gelangt man nicht zum Fange;

Mit sanften Worten lockt man aus dem Loch die Schlange.

Drum sänfte deinen Zorn, kehr ein, und laß beim Wein

Mit Herzen sorgenfrei die Nacht uns fröhlich sein!

Wir bringen dir den Rachs, o tapfrer Kampfgesell,

Wir bringen ihn, bevor der Morgen tagt, zur Stell;

Uns sei die Hall indes vom Licht des Weines hell!

 

6.

 

Der Löwenmutige ward dieser Rede froh,

Davon aus seiner Brust so Groll als Unmut floh.

Es dünkt' ihm gut, daß er zum Königshause gienge,

Als wolgemuter Gast zu Fest und Schmause gienge.

Ihm gab den Ehrensitz der König im Palast,

Auf Füßen dienstbereit stand er vor seinem Gast.

Die Häupter aus der Stadt, die Häupter aus dem Heer,

Berief und pflanzt' er beim Gelag um Rostem her.

Den Köchen er befal, von allen guten Dingen

Gerichte zu der Wal des Helden herzubringen.

Da ward hereingebracht ein ausgesuchtes Mal,

Der Silberschüßeln Pracht und goldner Schaalen Zal;

Aus China war beim Fest chinesischer Pokal.

In diesem ward kredenzt Wein unter Lautentönen

Von rosenwangigen gasellenaugigen Schönen.

Sie mengten Saitenspiel und Wein mit Schmeichelei,

Damit nicht ungemut der Hochgemute sei.

Er hörte seine Lust, und schaute sein Vergnügen,

Und trank den frohen Mut dazu in langen Zügen.

Mit allen Sinnen so schöpft' er des Festes Wonne,

Ihm stralte sein Gesicht bei Nacht wie eine Sonne.

Und allen, welche da das helle Angesicht

Des Helden leuchten sahn, wards in der Seele licht.