Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 21 von 113

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Rostem und Suhrab

Drittes Buch.

D r i t t e s B u c h .

 

20.

 

Da war ein Schloß, das hieß das Weiße Schloß im Land,

Darauf die Zuversicht des Reiches Iran stand,

Daß es verteidigen den Pass der Grenze sollte,

Wenn da hervor ein Feind aus Turan brechen wollte.

Drum waren auf dieß Schloß gesetzt, zu Schirm und Halter,

Statt eines Wärtels zwei, ein junger und ein alter;

Der alte, daß er es behütete mit Rat,

Der junge, daß er es verteidigte mit Tat.

Hedschir, der junge Vogt, ließ, weil die Waffen schwiegen,

Vom Kinde Gesdehems, des alten, sich besiegen.

Die hieß Gurdaferid, das heißt „ein Held geschaffen“,

Weil sie, die zarte Maid, war wie ein Held in Waffen.

Hedschir mit Rennen und mit Schießen nach dem Ziele

Versuchte daß er ihr durch Männlichkeit gefiele;

Vergebens! weil ihm selbst in diesen Künsten sie

Zuvor es tat, kam er mit ihr zum Ziele nie.

Er wünschte, daß einmal ein Feind vorm Schloß erschiene,

Daß ihren Beifall er im ernstern Kampf verdiene.

Und als er eines Tags ein Heer von Türken sah

Anrücken, glaubt' er sich zwiefachem Siege nah,

Dem einen, den er wollt erringen im Gefild,

Dem andern in der Burg am schönen Frauenbild.

Da wappnete sich schnell der mutige Hedschir,

Und stieg aufs Ross, gespornt von Lieb und Kampfbegier.

Des Tores Hüter ließ er weit auftun das Tor

Der alten Burg, und ritt zum Einzelkampf hervor.

Er ritt den Berg hinab, dem Feind entgegen jach, Und von der Mauer sah Gurdaferid ihm nach.