Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 6 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 5

Da zogen aufs Gebot des Königs alle Degen,

Die Edlen all des Hofs, dem Edelsten entgegen.

Entgegen zog ihm, wer aufs Haupt nur einen Helm

Zu setzen hatt, und wer zurückblieb, war ein Schelm.

Sie reihten feierlich sich um den Heldenglanz,

Wie um der Sonne Haupt der Abendwolke Kranz.

So führten sie zur Stadt das Licht der Ehren ein,

Als eben über ihr erlosch des Tages Schein.

 

5.

 

Der König trat zu Fuß hervor aus dem Palast,

Der Hofstaat um ihn her, entgegen seinem Gast.

Er grüßt' und neigte sich: Woher durch Wald und Feld,

Und kein Begleiter ist mit dir, o Kampfesheld?

Hast du den Tag vollbracht mit Jagd im Jagdrevier,

Und suchest nun zur Nacht bei Freunden Nachtquartier?

Wir alle sind hier nur auf deinen Wunsch bedacht,

Und zu Befehle steht Semengan deiner Macht.

Die Leben stehen dir und Güter zu Befehle;

Die Edeln, Edelster, sind dein mit Leib und Seele.

Was wünschest du? es soll geschehen, o Pehlewan!

Gebeut, was wir dir thun, und denk, es sei gethan!

Held Rostem hörte gern die Rede sanft und zahm,

Wol merkt' er, ihnen sei die Hand zum Bösen lahm.

Er sprach: Abhanden kam der Rachs mir auf der Flur,

Und hier bis an die Stadt geht seiner Tritte Spur.

Wenn du mir diese Nacht ihn wieder schaffen kannst,

So wiße, daß du Dank von mir und Preis gewannst.

Doch wenn ihr mir den Rachs nicht werdet wieder schaffen,

So sollen durch mein Schwert hier breite Wunden klaffen.

Der König sprach erschreckt: Held ohne Furcht und Zagen,

Wer dürfte wol den Rachs dir zu entwenden wagen?

Sei du mein Gast, laß dir den Ehrenbecher spenden

In Frieden, und nach Wunsch wird sich die Sache wenden.