Rostem und Suhrab
Kapitel 15
Froh wurde Rostems Sohn von dieses Wortes Klange,
Er lacht' und rosengleich erblühte seine Wange.
Laut rief er: Ei so bringt mir gleich das schmucke Ross!
Sie brachtens ungesäumt zum jungen Heldensproß.
Er machte gleich an ihm mit seiner Hand die Probe,
Das Thier war stark genug, und es bestand die Probe.
Da schmeichel-streichelt' ers, und sattelt' es geschwind,
Aufs starke Ross schwang sich das starke Heldenkind.
Im Sattel saß er fest alswie ein Bild von Erz,
Und hielt mit leichter Hand die Zügel wie zum Scherz.
Er tummelte das Ross, daß es begann zu schäumen,
Zu schnauben mit Gebraus, doch durft es ihm nicht bäumen.
Da sprach vom Ross Suhrab, indem ers anhielt leise:
So hab ich nun ein Ross gewonnen zu der Reise.
Nun acht ich mein die Welt, da ich das Ross gewann,
Auf dem ich Rostem selbst mit Ruhm bestehen kann.
15.
Er sprachs, und stieg vom Ross, und gieng ins Haus zurück:
Da rüstet' er zum Krieg mit Iran Stück um Stück.
Wies kund im Lande ward, daß er kriegslustig sei,
Strömten von da und dort Kriegslustige herbei
Wie eine Sonne war er ihrem Wunsch erschienen;
Sie alle wollten Ruhm und wollten Gold verdienen.
Die Waffen hatten lang in diesem Land geruht,
Und aus der Asche brach nun die verhaltne Glut.
Suhrab, gerüstet, trat zu seiner Mutter Vater,
Um Urlaub und Geleit und Reisebeistand bat er.
Großvater! sprach er: jetzt sollst du mir Spielzeug schaffen;
Die Leute hab ich schon, gib mir dazu die Waffen!
Denn ohne Waffen ist ein Heerzug mangelhaft;
Ein Rösslein hat mir schon die Mutter angeschafft.
Doch alles, was mir folgt, soll auch auf Rossen reiten;
Kamele sollen dann mit Zehrung uns begleiten.