Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 63 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 68

Durchs Tor stracks in den Hof gieng Rostem ohne Scheu,

Wie in den offnen Stall der Rinder Nachts ein Leu,

Beim ländlichen Gehöft im Felde, wo die Hirten

An einem Feiertag sich in der Nacht bewirten,

Und denken nicht bei Saus und Braus und Schmaus daran,

Daß sie dem Feinde nicht die Stalltür zugetan.

Da geht er in den Stall, wo ihre Rinder sind,

Hinein, und trägt davon das schönste stärkste Rind.

Es brüllt, im Rachen schon des Löwen, voll Verzagen,

Und alle springen auf, den Raub ihm abzujagen;

Er aber hat den Raub in Sicherheit getragen.

Sie kehren leer zurück und traurig, für den Rest

Der Nacht ist nun gestört der Hirten Freudenfest.

So gieng durchs offne Tor, geöffnet durch Betören,

Rostem hinein, das Fest der Türken drin zu stören.

Er sah den weiten Hof erfüllt von Fackelglanz,

Von lärmendem Gelag, Gesang und Spiel und Tanz.

Denn Suhrab hatte dort das nächtge Fest bestellt,

Und all die Edelsten des Heeres sich gesellt.

Doch Rostem wich dem Glanz der Lichter aus, und sah

Vom dunklen Winkel fern im Hellen alles nah.

 

68.

 

Da saß beim frohen Fest, in Mitte Fackelscheins

Und Lautenklangs, Suhrab, und trank die Becher Weins.

Auf seinem Haupte trug er, statt den Helm, den Kranz;

Er war ein Glanz, und war bestralt vom hellen Glanz.

Er blühte wie ein Reis von Schönheit und von Lust,

Von Jugend und von Kraft geschwellt war seine Brust.

Hoch hob er stolz das Haupt, und seiner Augen Stral,

Umgehend in die Rund, erleuchtete das Mal;

Da überzält' er froh die unzälbare Zal

Der Kriegsgefärten, die um ihn im Kreiße saßen

Als Trinkgenoßen nun, und ihren Wein vergaßen Vor Staunen, wie sie ihn sahn prangen solchermaßen.