Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 95 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 100

 

 

Sie gürteten sich fest die Mitte, stülpten dicht

Die Aermel um den Arm, und furchten das Gesicht.

Zwei Löwen gleich an Wut, herschoßen sie zumal;

Vom Leibe Schweiß und Blut vergoßen sie zumal.

Zwei Leiber wurden da Ein Leib, indem sie rangen,

Um den vier Arm' im Knäul wie Schlangen sich verschlangen.

Wie eine Goldspang eng den Frauenarm umschmiegt,

Und wie fest an dem Leib ein naßes Kleid anliegt:

So mit den Armen eng umschmiegten sich die beiden;

Anstrengten hin und her und wiegten sich die beiden:

An Kraft nicht, noch an Kunst besiegten sich die beiden.

Sie hätten Stein und Erz zerdrückt in ihren Armen;

Sie drückten sich umsonst, und drückten ohn Erbarmen.

Angst fühlte Brust an Brust, und Glied um Glieder Schmerz,

Als Vater dort und Sohn sich drückten so ans Herz.

Indessen oben sie sich mit den Armen klemmten,

Den Odem in der Brust, das Blut im Herzen hemmten;

Indessen hielten sie am Boden die gestemmten

Füß' eingewurzelt. So rang Suhrab mit Tehemten

Mit mächtigem Umfahn, gewaltigem Umschlingen,

Vermochten sie sich doch zu Boden nicht zu ringen,

Vermochten sie sich nicht vom Grund empor zu bringen,

Vermochten sie sich auch vom Platz nicht wegzudringen.

Umsonst umschlangen sie, umsonst umflochten sie;

Vergebens rangen sie, vergebens fochten sie.

Voll Wut andrangen sie, voll Wut aufkochten sie;

Sich nicht bezwangen sie, noch übermochten sie.

Nun wollten sies, anstatt mit Ringen und mit Dringen,

Mit Schwingen in die Luft vollbringen und erzwingen.

Los ließen Vater sich und Sohn, und seine Hand

Ausstreckte jeder nach des andern Gürtelband.

Und Rostem schwang den Sohn empor mit einem Schwunge

Am Gürtel: fast erlag dem Alten da der Junge.

Doch dieser fiel, vom Glück geschleudert, auf die Brust Des Gegners schwer, und warf ihn nieder in den Dust.