Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 65 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 70

Leis hoben sie empor das glänzende Gewebe,

Und gaben es der Luft zu tragen, daß es schwebe

Nach Turan, wo im Schlaf die Mutter Suhrabs lag,

Da sah sie einen Traum so hell als wär es Tag.

Beim nächtlichen Gelag sah sie den Sohn da sitzen,

Den Becher in der Hand von Edelsteinen blitzen,

Sah seine Wangen blühn, und seine Lippen glühn,

Und seine Augen sprühn; ganz war er stolz und kühn;

Wie freut' es sie zu sehn ihr Reis der Hoffnung grün!

Gewachsen schien er ihr selbst in der kurzen Zeit,

Daß sie ihn ausgesandt, an Kraft und Herrlichkeit.

Sie sah auf ihren Sohn umher im Kreiß der Lichter

Gekehrt bekante viel und unbekante Gesichter;

Die alle sah sie hell in heitrer Freude funkeln,

Doch seinen Vater sah sie nebenaus im Dunkeln.

Sie war betrübt, es nam sie Wunder, warum nicht

Rostem zu seinem Sohn vortreten wollt ans Licht.

Doch wie ein Wolkenschaur so flog ihr Gram vorbei;

Sie freute sich, daß nah dem Sohn der Vater sei:

Er würde, wenn er nur säh das Erkennungszeichen,

Dem Sohne freudig nahn und ihm die Hände reichen.

 

70.

 

Von Suhrabs Mutter ward inzwischen so geträumt,

Er aber saß beim Fest vergnügt und aufgeräumt.

Er trank, und hieß im Kreiß die Trinkgenoßen trinken;

Zwei aber saßen ihm zur Rechten und zur Linken.

Zur Linken Baruman, den ihm Afrasiab

Aus Turan nicht aus Lieb und nicht zum Heil mitgab;

Zur Rechten aber Send, den hatte mitgegeben

Dem Sohn die Mutter, die ihn liebte wie ihr Leben.

Der war vom Königshaus Semengans ihm ein Vetter,

Und werden sollt er ihm im fremden Land ein Retter.