Rostem und Suhrab
Kapitel 92
Dann sehn wir, welches wird um seinen Kämpfer weinen!
92.
Sie giengen; finster ward das Angesicht der Luft;
Der Himmel hüllte sich in einen trüben Duft:
Vorzubereiten schien er Suhrabs Totengruft.
Doch Suhrab ritt vergnügt mit seinem Heer nach Haus,
Und unterm Reiten noch fragt' er den Barman aus:
Von jenem Löwenmann, von dessen Kraft die Spangen
Mir krachten heut am Tag, wie ist es euch ergangen?
Da er dieß Heer, wie ein berauschter Elefant
Anrante, wieviel hat er nieder da gerant?
Nie ward von mir erprobt, in jedem Kampf belobt,
Solch einer; wie hat er hier seinen Grimm vertobt?
Doch Barman sprach: Es war dein eigner Fürstenwille,
Daß diesen Tag das Heer sich hielt' in Waffen stille.
Gerüstet aber war all unser Ding zum Streit,
In jedem Nu ins Feld zu treten kampfbereit.
Da kam ein einzelner daher, ein unbekanter,
Und blindlings tollkühn vor die Heeresmitte rant er.
Er kam alswie im Rausch, oder vom Rausch erwacht,
Im Taumel, um allein zu liefern eine Schlacht.
Ich aber ordnete die Reihen, dem verwegnen,
Wo er sich wagt' heran, mit Nachdruck zu begegnen.
Da ward er plötzlich andern Sinns; die Zügel wandt er,
Und spornstreichs, wie er hergekommen war, entrant er.
Froh lachend sprach Suhrab: Also von diesem Heer
Erlegte keinen er, und ritt vergebens her!
Ich hab Iranier indessen viel getötet,
Mit Blut wie Rosen dort den Rasengrund gerötet.
Er hat den müßigen Beschauer hier gemacht!
Nun heute hat die Nacht geschieden unsre Schlacht.
Doch morgen, wann der Welt der hehre Tag aufgeht,
Dann wird sich zeigen, wer von beiden fällt und steht.