Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 91 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 96

Die Zeichen treffen ein, die mir die Mutter gab;

Nicht töten will ich ihn für den Afrasiab!

Zwar gestern ist mir der Gedanke, den ich trug,

Vergangen, als der Mann so lieblos auf mich schlug.

Doch in der Nacht ist es mir wieder aufgestiegen,

Im Traume fand ich mich in seinen Armen liegen:

Da lag ich gut und sanft! ich will mit ihm nicht kriegen!

 

96.

 

Zu ihm sprach Baruman, nachdem er still bedacht,

Wozu Afrasiab verbindlich ihn gemacht:

Ich dächt, es hätte doch dir müßen nun verfliegen

Der Traum, im Arme sei sanft diesem Mann zu liegen!

Denn warlich muß, nach dem was du von ihm gesprochen,

Kein Herz, ein menschliches, in seinem Busen pochen.

Dein Mut hat einmal mit den mörderischen Händen

Den Kampf begonnen; mag den Kampf dein Mut vollenden!

Willst du nicht lösen dein verpfändetes Versprechen?

Du gabst dein Wort zurückzukehren; willst dus brechen?

Er wartet draußen schon, und wird dich mürrisch fragen:

Wo bleibst du, lieber Sohn? du scheinst vor mir zu zagen!

Ein Feigling bist du ihm, und bist du dir, erschienen;

Mit diesem Mut wirst du den Vater nicht verdienen!

Von deinem Vater ist mir Sichres nicht bekant;

Doch dich hat seinen Sohn Afrasiab genant.

Des Namens machest du dich wert, wann mutentbrant

Du jenen, der dir trotzt, hast in den Staub gerant.

Ich kenne nicht den Mann, und frage nicht, warum

Er seinen Namen birgt; befrag ihn selbst darum!

Doch lieber, wenn du mir gehorchest, frag ihn nicht!

Schlag ihn, eh er dich schlägt! brich ihn, eh er dich bricht!

So warst du deinen Ruhm, und übest deine Pflicht.

So sprach er, und sein Rat klang Suhrabs Ohren hohl;